Gehaltsabrechnung Schifffahrt

 In Allgemein

Die Gehaltsabrechnung wird in der Schifffahrt auch Heuerabrechnung genannt. Dabei ist die Heuer der Lohn eines Seemanns. Der Begriff der Heuer entspringt dem anheuern, welches früher durch gegenseitigen Zuruf zwischen Kapitän und Seemann erfolgte. Heute werden Heuerverträge weniger abenteuerhaft geschlossen.

Die Heuerabrechnung gehört zu den kompliziertesten Gehaltsabrechnungen überhaupt, da eine Fülle von Sonderregelungen berücksichtigt werden müssen. Die zuständige Abteilung in den Unternehmen benötigt speziell ausgebildete Mitarbeiter, um der Komplexität der Heuerabrechnung gerecht werden zu können. Wer sich in dieser Dienstleistung weiterbildet – beispielsweise in der Lohnbuchhaltung für die Reederei – wird mit reichlich Job-Angeboten von Betrieben überhäuft. 

Professionelle Mitarbeiter sind rar, die die Durchführung einer Heuerabrechnung auf allen Ebenen beherrschen. Sie benötigen Erfahrung und Flexibilität: Zunächst um mit den speziellen Software-Programmen umzugehen, und gleichzeitig die gesetzlichen Besonderheiten zu berücksichtigen. Da der Markt nur wenig Software anbietet, die das Rechnungswesen der Reedereien und Co berücksichtigen, müssen Arbeitnehmer für die kompetente Benutzung geschult werden.

Die durchschnittliche Reederei in Hamburg wird einige Arbeitnehmer benötigen, die Vollzeit nur für den Lohn arbeiten – also die Heuer berechnen. Deswegen entscheiden sich immer mehr Unternehmen, die Lohn-Abrechnung ihrer Mitarbeiter an dafür spezialisierte Unternehmen auszulagern.

Wie ist eine Gehaltsabrechnung Schifffahrt aufgebaut?

Die Heuerabrechnung ähnelt dem Aufbau und der Struktur üblicher Gehaltsabrechnungen; mit der typischen 3-Teilung in Grundgehalt, variables Gehalt und Sonderleistungen.

Zahlt der Arbeitgeber die Heuer in einer anderen Währung aus, führt man den verwendeten Wechselkurs unten mit auf. Die Angabe in US-Dollar ist zusätzlich erforderlich. Der Arbeitgeber muss die Art und Höhe der Beträge ersichtlich, und durch entsprechende Angaben nachvollziehbar beschreiben.

Was unterscheidet eine Gehaltsabrechnung Schifffahrt von anderen?

Die vielfältigen Eigenarten der nautischen Lohnabrechnung sind verantwortlich für ihren Ruf als „Meisterklasse der Entgeldabrechnung“.

Dieser Artikel kann bei weitem nicht jeder Besonderheit Rechnung tragen, die eine Heuerabrechnung von einer normalen Entgeldabrechnung unterscheiden. Doch mit der Durchschnittsheuer, der D-Heuer Tabelle und der Berücksichtigung von SchiffsgrößenFlaggenFahrtgebieten und Schiffstypen bekommen Sie einen ersten Einblick in die Welt der Heuerabrechnung.

Die Vergütung und Fälligkeit des Lohns richten sich nach den gesetzlichen Bestimmungen der §§ 37 bis 41 des Seearbeitsgesetzes. Diese decken aber noch lange nicht die Detailtiefe der Heuerabrechnung ab.

Grundsätzlich besteht Vertragsfreiheit, welches einen geradezu willkürlichen Spielraum für die Höhe der Heuer sowie den unzähligen Zulagen eröffnet. Nach unten begrenzt wird die Heuer nur durch das Verbot der Sittenwidrigkeit § 138 Abs. 1 BGB und das Maßregelungsverbot § 612 Abs. 2 BGB. Die tariflichen Regelungen der deutschen Seeschifffahrt (des Manteltarifvertragsvertrags (MTV-See) und Heuertarifvertrags (HTV-See)) gelten ebenfalls nicht zwingend. Sie werden nur angewendet, wenn

  • der Seemann Mitglied in der Gewerkschaft ver.di und der Reeder Mitglied in der Tarifgemeinschaft des Verbandes Deutscher Reeder ist
  • die Anwendung der tariflichen Regelungen im Heuervertrag von Arbeitnehmer und Arbeitgeber festgelegt wurde

Gelten die tariflichen Bestimmungen, stellen sie die Untergrenze für die Gesamtheuer dar.

Für Seeleute, die nach deutschem Recht abgerechnet werden, berechnen sich die Sozialversicherungsbeiträge nicht vom Bruttogehalt, sondern nach der Durchschnittsheuer. Die Durchschnittsheuer wird aus den einmal jährlich aktualisierten Durchschnittsheuer-Tabellen (D-Heuer Tabellen) ermittelt. Für bestimmte Berufsgruppen wird ein Durchschnittsverdienst angenommen (Abschnitt G).

Nach § 21 Abs. 4 Flaggenrechtsgesetz können ausländische Seeleute ebenfalls über die deutschen Durchschnittsheuern vergütet werden. In der Praxis heuern die Betriebe ausländische Seemänner für deutsche Schiffe häufig über Nettolohnvereinbarungen an. Dann wird für die Berechnung des Bruttolohns (also der Lohnsteuer, Sozialversicherungsbeiträge inkl. Seemannskasse) das ISR-Register verwendet, wodurch die gesetzlichen Bestimmungen für den Auslandseinsatz berücksichtigt werden. Zusätzlich gibt es Sozialversicherungsberechnungen und Bemessungsgrenzen für die Seemannskasse und für die Unfallversicherung.

Interessant ist die Tatsache des häufigen Schiffswechsels der Seeleute, wobei der Urlaubsanspruch der verschiedenen Schiffsaufenthalte übertragen werden kann. Berechnet wird er über die Anzahl der Bord-Tage.

Der Arbeitsplatz der Seeleute bedingt, dass ihr Leben zeitweilig an Bord gebunden ist. Dadurch entstehen weitere Kosten, die in die Berechnung hineinspielen. Es geht um Bordverbräuche, Auszahlung der Heuer an Bord, Ziehscheine, etc. Da viele Seeleute ihren Lohn noch immer bar erhalten (um einen direkten Verbrauch zu ermöglichen), sollte die Auszahlung des Lohns direkt in der Währung erfolgen, in der die Seeleute ihre Ausgaben tätigen. Ansonsten könnte es zu einer massiven Benachteiligung der Seeleute durch Gebühren beim Währungstausch kommen.

Gelegentlich passieren die Schiffe Gefahrengebiete – dann wird durch Sonderzulagen der Lohn aufgebessert, um das höhere Risiko entsprechend zu berücksichtigen. Der Arbeitgeber erstattet Reisekosten, solange es sich um Fahrt- und Gepäckbeförderungskosten handelt. Auch Tages- und Übernachtungsgeld wird eingeplant. Sachbezüge, die während der Arbeit anfallen, müssen angemessen ausgezahlt werden.

Für gewerbliche Schiffe unter deutscher Flagge gilt, dass im Krankheitsfall der Reeder 6 Wochen lang die volle Heuer weiterhin bezahlt. Ab der 7. Woche entspricht die Heuer dann der Höhe des Krankengeldes nach Vereinbarung in der gesetzlichen Krankenversicherung. Das Krankengeld bewegt sich zwischen 70 und 90 % des letzten Nettoarbeitsgeldes. Wenn der Seemann dagegen in der deutschen Krankenversicherung gesetzlich versichert ist, kommt die Krankenkasse für das Krankengeld auf.

Die aufgeführten Regelungen gelten spezifisch für den Lohn in der Schifffahrt und sind in keiner anderen Gehaltsabrechnung wiederzufinden. Die Besonderheiten der Heuerabrechnung sind vielfältig und erfordern ein entsprechendes Studium. Durch geringe Nachfrage sind Ausbildungsmöglichkeiten schwierig zu finden – normalerweise werden die Mitarbeiter der Personalsachbearbeitung in den Unternehmen vor Ort an die Heuerabrechnung herangeführt. Doch wie soll dies bei kleineren Unternehmen ohne vorhandenes Know-How funktionieren?

Wie verändert sich die Gehaltsabrechnung Schifffahrt bei Outsourcing?

Die Heuerabrechnung zählt zu den kompliziertesten Abrechnungen überhaupt. Nicht umsonst werden die Gehaltsabrechnungen an dafür spezialisierte Firmen outgesourct. Der Grund besteht in der Kostenersparnis, da die Einrichtung der Software, die Ausbildung der Mitarbeiter in der Buchhaltung und die dazugehörigen Personalkosten wegfallen.

Für die Erstellung von Heuerabrechnungen gelten besondere gesetzliche Vorgaben, die nur von wenigen Personalprogrammen in Deutschland abgedeckt werden. Aber auch mit einem passenden System wird Personal mit spezialisiertem Fachwissen benötigt, beispielsweise für die Anwendung von steuerlichen Vorteilen für die unterschiedlichen Abrechnungsfälle und die internationale Abrechnung unter Berücksichtigung der Regularien.

Da die Heuerabrechnung zur Meisterklasse der Gehaltsabrechnungen zählt, entscheiden sich immer mehr Reeder für das Outsourcing.

Doch wie läuft das Outsourcing an selbstständige Firmen ab?

Mit der Angabe einiger firmenspezifischer Informationen, der Erstellung eines Termin- und Ablaufplans und der Besprechung aller Besonderheiten werden alle Prozesse der Heuerabrechnung für Sie übernommen. Die Abrechnungen werden dann entweder auf dem Postweg oder elektronisch wenige Tage nach Angabe der Informationen übersandt. So wird das komplexe Spiel der Gehaltsabrechnung in der Schifffahrt zum Kinderspiel.

Dies rechnet sich häufig aus monetärer Sicht, und setzt zusätzlich (bei wenigen Sachbearbeitern) Ressourcen für die Kerntätigkeiten frei. Bei kleineren Unternehmen ohne eigenes Personalbüro (oder bei geplantem Abbau) ist es vorteilhaft, dass sich das Dienstleistungsspektrum der Unternehmen von den Lohnabrechnungen auf sämtliche Tätigkeiten eines Personalbüros ausweiten lässt. 

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